Rollhub: Wie 3D-Drucker die industrielle Fertigung revolutionieren – und warum Deutschland hier noch hinterherhinkt
Seit Jahren steht die additive Fertigung – also der 3D-Druck – für eine Revolution in der Industrie. Doch während Länder wie die USA oder China massiv in die Technologie investieren, bleibt Deutschland oft im Schatten. Die Plattform Rollhub, ein zentraler Akteur im deutschen 3D-Druck-Markt, zeigt, wie die Branche hier vorankommt – und welche Hürden noch zu überwinden sind. Mit einer Mischung aus Hardware, Software und Dienstleistungen positioniert sich Rollhub als Brücke zwischen Innovation und praktischer Umsetzung. Doch warum scheitern so viele Projekte trotz hoher Investitionen? Und welche Rolle spielen staatliche Förderprogramme bei der Beschleunigung des Wandels?
Die Zahlen: Warum Deutschland im 3D-Druck zurückfällt
Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM) aus dem Jahr 2023 nutzen nur etwa 20 % der deutschen Mittelständler additive Verfahren. Zum Vergleich: In den USA liegt der Anteil bei über 35 %, in China sogar bei rund 45 %. Die Gründe sind vielfältig. Ein zentraler Faktor ist die Komplexität der Technologie. Während Großunternehmen wie BMW oder Siemens bereits seit Jahren komplexe Bauteile wie Turbinenschaufeln oder Zahnräder additiv fertigen, kämpfen viele kleine und mittelständische Betriebe mit hohen Investitionskosten und Fachkräftemangel. Hier setzt Rollhub an: Die Plattform bietet nicht nur Zugang zu modernen Druckern, sondern auch Schulungen und Beratung – ein Modell, das in Deutschland noch zu selten genutzt wird.
Ein weiteres Problem ist die fehlende Standardisierung. Während internationale Normen wie ISO 5892-7 für die Qualitätssicherung in der additiven Fertigung existieren, fehlen in Deutschland oft klare Rahmenbedingungen für die Akzeptanz neuer Bauteile. Hier zeigt sich ein strukturelles Problem: Während andere Länder wie die Niederlande oder Schweden bereits gezielt Förderprogramme für den 3D-Druck auflegen, fehlt es in Deutschland an einer koordinierten Strategie. Die Bundesregierung hat zwar das „Industrie 4.0“-Programm, doch die Umsetzung bleibt oft auf der Ebene einzelner Bundesländer oder Unternehmen. mehr sehen
Rollhubs Rolle: Vom Hardware-Anbieter zum Systemprovider
Rollhub ist mehr als nur ein Händler für 3D-Drucker. Seit seiner Gründung 2017 hat sich das Unternehmen zu einem der führenden Anbieter für additive Fertigung in Deutschland entwickelt. Kern seiner Strategie ist es, nicht nur Maschinen zu verkaufen, sondern ein ganzes Ökosystem rund um den 3D-Druck aufzubauen. Dazu gehören hochmoderne Drucker wie die EOS M 290 oder die Markforged X7, die für präzise Metall- und Kunststoffbauteile geeignet sind, aber auch Post-Processing-Lösungen, Materialien und Software wie CAD-Tools oder Simulationen. Besonders innovativ ist Rollhubs Ansatz, Unternehmen direkt mit den besten Partnern zu vernetzen – etwa mit Materialherstellern wie Arcam oder mit Zertifizierungsstellen für die Qualitätssicherung.
Ein Beispiel für diesen Ansatz ist das Projekt mit dem Automobilzulieferer Continental. Durch Rollhub konnten die Ingenieure des Unternehmens komplexe Gussteile für Fahrwerkssysteme additiv fertigen, die traditionell nur durch teure und umweltschädliche Gießverfahren hergestellt werden konnten. Die Reduktion der Materialkosten um 30 % und die Verringerung der Produktionszeit um 40 % machten das Vorhaben wirtschaftlich attraktiv. Doch solche Erfolge bleiben selten isoliert. Viele Unternehmen scheitern an der fehlenden Expertise oder an unklaren Prozessen. Hier setzt Rollhub mit seinem „Additive Manufacturing Center“ an: ein physisches und digitales Zentrum, in dem Unternehmen unter Anleitung komplexe Projekte umsetzen können.
Die Hürden: Warum Deutschland noch nicht an der Spitze steht
Trotz dieser Fortschritte bleibt Deutschland im globalen Vergleich hinterher. Ein zentrales Hindernis ist die fehlende Skalierung. Während in den USA oder China große Konzerne wie Boeing oder Tesla bereits Millionen von Bauteilen additiv fertigen, bleibt der deutsche Markt oft auf Nischenlösungen für kleine Serien beschränkt. Die Gründe dafür sind vielfältig: Erstens fehlt es an ausreichend hochqualifizierten Fachkräften. Laut einer Studie der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg gibt es in Deutschland nur etwa 1.500 Fachkräfte im Bereich additive Fertigung – und diese Zahl steigt nur langsam. Zweitens sind die Kosten für den Einstieg oft zu hoch. Ein hochwertiger Metall-Drucker wie die EOS M 280 kostet allein 150.000 Euro, dazu kommen noch die laufenden Betriebskosten und die Materialpreise.
Ein weiteres Problem ist die Abhängigkeit von Importen. Während Deutschland bereits Teile von Luftfahrzeugen oder Medizintechnik additiv herstellt, fehlt es an heimischer Produktion für Massenware. Hier könnte Rollhub eine Brücke schlagen – etwa durch Partnerschaften mit kleinen und mittleren Unternehmen, die in der Lage sind, kostengünstigere Bauteile zu produzieren. Doch dafür bräuchte es nicht nur technologische Fortschritte, sondern auch politische Weichenstellungen. Die Bundesregierung hat zwar das „Industrie 4.0“-Programm, doch die Umsetzung bleibt oft auf der Ebene einzelner Bundesländer oder Unternehmen. Hier zeigt sich, dass Deutschland noch lange nicht an der Spitze steht – und dass es dringend eine koordinierte Strategie braucht.
- Laut einer Studie des Fraunhofer IFAM nutzen nur etwa 20 % der deutschen Mittelständler additive Verfahren – im Vergleich zu über 35 % in den USA und 45 % in China.
- Die Kosten für einen hochwertigen Metall-Drucker wie die EOS M 280 betragen allein 150.000 Euro, dazu kommen laufende Betriebskosten und Materialpreise.
- Deutschland hat nur etwa 1.500 Fachkräfte im Bereich additive Fertigung – eine Zahl, die nur langsam steigt.
- Die Bundesregierung setzt auf das „Industrie 4.0“-Programm, doch die Umsetzung bleibt oft auf der Ebene einzelner Unternehmen oder Bundesländer beschränkt.
- Die Abhängigkeit von Importen für Massenware bleibt ein zentrales Hindernis für die Skalierung der additiven Fertigung in Deutschland.
Fazit: Die Chance liegt im Netzwerkdenken
Deutschland hat die Chance, im 3D-Druck mitzuziehen – wenn es gelingt, die verschiedenen Akteure zusammenzubringen. Rollhub zeigt, wie das funktionieren kann: durch die Vernetzung von Hardware, Software und Dienstleistungen, durch Schulungen und Beratung sowie durch die Schaffung eines Ökosystems, das Unternehmen von der Idee bis zur Serienfertigung begleitet. Doch der Weg ist noch lang. Die Politik muss gezielt fördern, die Wirtschaft muss risikofrei investieren und die Fachkräfte müssen ausgebildet werden. Nur dann kann Deutschland seine Position als Innovationsführer in der additiven Fertigung stärken – und so die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie sichern.
